Spracherwerb des Säuglings und Kleinkinds - "the importance of an imitation of life"

Grundsatz: Sprechen ist das Abbilden des Wahrgenommenen - Wahrgenommen werden ist zwar Voraussetzung für Sprechen, verhindert dies aber in einer Ausschließlichkeit

17.9. 2007

 

Spracherwerb des Säuglings und Kleinkinds - "the importance of an imitation of life"

Grundsatz: Sprechen ist das Abbilden des Wahrgenommenen - Wahrgenommen werden ist zwar Voraussetzung für Sprechen, verhindert dies aber in einer Ausschließlichkeit

17.9. 2007
Folgende Bemerkungen zum Spracherwerb des Menschen, der meiner Anschauung nach bereits an der Mutterbrust beginnt.

Ich gehe von der Prämisse aus, dass Sprechen heisst, sich in jemanden anderen hinzuversetzen, also die Wirklichkeit in einer fremden "Rolle" erleben zu können. Anders gessagt: die Fähigkeit zu sprechen bedeutet, die Wirklichkeit sich vorzustellen, unabhängig von der gerade tatsächlich erlebten Realität.
Dies geschieht im Traum - "ansatzweise", was das Projektive, also von der Realität Losgelöste betrifft.

Idee: das Träumen unterscheidet sich von dem planerischen Vorstellen möglicher Realität bzw. vom Sprechen als Denken dadurch, dass im Traum eine bewusste Trennung von Ich und beobachtetem Ich bzw. Du nicht stattfindet.

Anders gewendet halte ich es für möglich, dass nicht bzw. kaum sprechende Tiere denken wie in einem menschlichen Traum - ich halte es für möglich, dass eine "dumme Kuh" tagträumend denkt.

Im Sprechen kommt zum Ausdruck, dass nicht ich es bin, der handelt, sondern "mein Kind" bzw. "meine Mutter". Zwar könnte ich sein wie mein "Idol", doch bin ich anders, fremd., ein Fremder: die Mutter weiß, dass der Säugling ein anderer Mensch ist als sie selbst, dennoch spricht sie zu ihm - so sehr der Säugling verschieden ist von ihr, so sehr erkennt sie jedoch - zunächst einfachst an seinem "Hunger" und Schutzbedürfnis, Hilfsbedürfnis, dass dieser Säugling ein Mensch ist wie sie.

Sie wird die Handlungen des Säuglings kommentieren -also jedes seiner Bedürfnisse, alle wahrgenommenen Handlungen bezeichnen.

Es handelt sich also um eine "Spiegelung" - was das Kind zu hören bekommt, was ihm signalisiert wird, bezieht sich auf sein eigenes Erleben, seine eigene "Welt". Im Prinzip ist also die zu erlernende Sprache eine kodierte Eigen-Welt. Über Sprache erfährt der Säugling also über sich selbst - noch genauer: über sein eigenes Erlebtes, seine eigene Erinnerung, das durch Erfahrung Gelernt. NICHT aber bedeutet Sprache, Sprechenhören etwas Fremdes zu erfahren.

Eine Mutter - oder andere "Bezugspersonen" können nun dieses Grundprinzip "ad libitum", "da capo" auch auf eine Erwachsenwerdende oder auch Erwachsene Person anwenden. Ein solcher Mensch wird im Gehörten also immer etwas über sich selbst, über ein Eigenerlebtes mitgeteilt bekommen - was alerdings eine gemeinsame "Storia" der Gesprächspartner voraussetzt: the importance of "having", of "knowing" Earnest.

Ein solcher Mensch ist meist ein schweigsamer Mensch. Warum? Es ist für ihn nicht erforderlich, das Kommentiertwerden, Bezeichnetbekommen selbstständig zu erledigen. Es ist für ihn nicht erforderlich, den Spieß umzudrehen, und sich in eine andere Person hineinzuversetzen: wozu auch - diese fremde Person spiegelt seine eigene Welt. Sprechen bedeutet "awesome" im Fremden einene Teil Eigenes zu erkennen und umgekehrt.

Mit anderen Worten: es kommt für den Spracherwerb des Kindes durchaus auf einen "Entzug", eine Not an: dem lernenden Kleinkind wird die Welt nicht mehr bezeichnet - die Mutter fällt aus.

Erster Schritt ist also, ür die eigene Mutter einzuspringen: ich mache mir die Welt nicht wie sie mir gefällt - wenn die Mutter icht da ist, erkläre und bezeichne ich mir die Welt, wie ich sie "vorgestellt" bekommen habe, verwende also die mir bekanntgemachten Zeichen selber - weil das "Über-Ich" nicht da ist.

Ich habe aber auch gelernt, dass die mir die Welt vorstellende, bzeichnende Person anders ist als ich - nicht nur ein Spiegel aus "Wonderland", sondern ein tatkräftiges "Über"-Ich, dem ich in vielem nachstehen, doch nicht in allem. Die mir die Welt sprachlich kennzeichnende, denkbar- und vorstellbar machende Person ist mir zwar übermächtig, doch muss ich mir nicht nur ein "komisches" Bildnis machen von ihr, sondern finde Gemeinsamkeiten: per Sprache kann ich solche Ähnlichkeiten kommentieren und so für mich nachmachen - auch wenn ich die konkrete Aktion nicht ausfhren kann. "Au" sage ich "au"ch ich, wenn etwas weh tut.

Kurzzusammenfassung: Sprechenkönnen und -wollen bzw. müssen setzt voraus, dass ich mich in eine andere Person in ihren Handlungen und Gefühlen, Bedürfnissen hineinversetzen kann, Sprechen setzt also Empathie voraus - das Hineinversetzten in eine fremde Welt, die bewußt als nur mögliche erkannt wird. Etwas ist ähnlich aber nicht gleich: ich imitiere die Handlung der anderen Person - die zunächst als Über-Ich erlebt wird - kann aber und führe ihre Handlungen jedoch nicht aus, sondern imitiere sie nur per Sprache, per Abbildung.

Ich lerne selber sprechen, indem ich die fürsorgliche "Anteilnahme" meines Über-ichs übernehme (je besser also diese Fürsorge, des leichter fällt die Übernahme des Gesprochenen - Probe: Vater schlecht zu mir, Mutter gut zu mir - ich übernehme den Dialekt der Mutter...).

Als dritter Schritt dann gewissermaßen das Umdrehen des Spießes: ich spreche zu anderen, indem ich mich - zumindest teilweise - ihm übermächtig empfinde, also selber auch stolz bin auf mein Können und nun umgekehrt z.B. NICHT alles nachmache, sondern nur sprachlich imitiere: "Au - das tat weht" - das heißt: mir tat es nicht weh, aber "it would have been possible", ich kann es mir vorstellen.

Ein Sprechen von "Mündigen" ist "logisch" insbesondere in zwei wohl im Alltag durchaus relevanten Situationen nicht erforderlich bzw. nicht gegeben:

die Bezugsperson spricht und handelt ausschließlich unter Bezugnahme auf mein eigenes Erlebtes: behandelt mich also als Säugling - per Spiegelung in Ausschließlichkeit

die angesprochene Bezugsperson verweigert ein Verständnis des Gesprochenen als Äußerung des "erwachsenwerdenden Kindes", nämlich als Bericht über sich selbst, will kein "Selbstgespräch" hören ("er hört sich selber gerne reden ..."), verlangt also in Umkehrung der Konstellation soeben oben auch im Spießumdrehen eine Spiegelung ihres eigenen Erlebens.

Illustration: Turmbau zu Babel, Entstehung von Fremdsprachen.

 

 

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