Cogito ergo sumVom frühen Denken, das dem Traum ähnelt 23.6. 2007 Cogito ergo sum - dieser Satz ist mir heute verständlich geworden - ich verbessere: ego sum. Descartes als Denker der Aufklärung und Nach-Denker über das Denken auch im naturwissenschaftlichen Sinn (Zirbeldrüse) hat damit meines Erachtens sein intuitives Verständnis des Denkvorgangs, nämlich des rationalen Denkens, in der Unterscheidung zum Traumdenken im Sinne Freuds (Ich und Es) zum Ausdruck gebracht. Ich gehe von folgender meiner These aus: erst der Mensch ist fähig, sein Denken als - auch oder ausschließlich - aus seiner Erinnerung entspringend zu verstehen, zu begreifen, zu bemerken. Nur das intelligten Tier weiß und kann sagen: das habe ich mir gedacht, das ist mir nicht zugestoßen (gestört dieser "Meta-Einwand" etwa bei Paranoia genannter Geisteskrankheit, dazu an anderer Stelle). Denn: was zuerst da war im Laufe der Evolution, war das aktuelle Gewahrsam, ohne sich eines Erinnerungsspeichers bedienen zu können, ohne auf Hirnmasse als Memory zurückgreifen zu können (deren Entstehung eventuell mit der Entstehung einer Zentralsteuerung zusammenfällt, in der also im Prinzip beispielsweise und insbesonder von autonom extern gesteuerten Routinen abgesehen werden kann - weil das Neue bereits bekannt ist - oder eben unbekannt - Futter oder Feind/Nichtfutter oder Freund). Denken im Sinne einer Bewertung neuen, zuvor unbekannten Erlebens kann auch das Tier. Nur die intelligenteren Säugetiere haben jedoch ein solch entwickeltes Gehirn, dass sie erkennen können und unterscheiden können, wann und in welchem Fall ein Denkvorgang, ein Denkresultat auf einem Eindruck der Sinnesorgane (Ohr/Auge) beruht oder aber auf einem Abruf aus dem Gedächtnis. Es handelt sich um eine anspruchsvolle Meta-Beurteilung des Denkvorgangs als solchen, die - da für den Menschen selbstverständlich - nicht gebührend geschätzt wird, was sich meines Erachtens bei der Beurteilung von Geisteskrankheiten auswirkt. Mit anderen Worten: dass ich nicht glaube zu träumen, ist eine denkerische Leistung, die aus dem Blickwinkel der Evolution anspruchsvoller ist und größere Denkkraft voraussetzt, als beispielsweise die Deutung einer Geste als freundlich, feindlich oder aggressiv. Warum ist das so? Weil das Verarbeiten aktueller von Sinnesorganen vermittelten Eindrücke früher entwickelt wurde in der Geschichte der Lebewesen. In der Evolution kam zuerst die Verarbeitung von Aktualität, danach erst der Aufbau von Erinnerung. Deutlich wird dies im Traum - meine These vermag zu erklären, warum man sich im Traum wohl fast ausschließlich zuschaut, sich in der dritten Person erlebt, also ähnlich etwa nicht willengesteuert auf einem Steg ins Wasser fallen muss. Während im Traum das eigene Denken aus der Erinnerung heraus - nur und ausschließlich aus der Erinnerung heraus - als ein äußerer Eindruck erscheint, ist dies in der bewußt erlebten Wirklichkeit meist anders herum: mir ist klar, dass dies "meine Idee" war, das das, was ich gerade denke, mir nicht vorgegeben, einsouffliert wurde. Es gibt aber die Möglichkeit - und dies wird mir wie ich glaube jede aufmerksame neugewordene Mutter bestätigen können - einen träumerischen Zustand auch herzustellen, indem ich das Neugeborene vorwegnehmend, antizipierend spiegele, nämlich das, was es aufgrund des Gelernten oder instintiv in das "Memory" Festeingebaute vorwegnehmend spiegele: es ist möglich, dass beim so in "Trance" Versetzten (funktioniert so auch Hypnose?) einen traumähnlichen Zustand hervorzurufen: er glaubt, das was eigentlich sein eigener aus Erinnerung oder Instinkt gewollter Denkvorgang werden sollte (Cogito ergo sum), sei ein äußerer Eindruck. Der Traum ist also als Einrichtung zu verstehen, der einen in der Evolution bereits zurückliegenden Zustand wiederholt - wer also wissen möchte, wie Tiere "denken", stellt sie sich als mehr oder weniger Träumende vor ("dumme Kühe" und Ochsen, die mit sich machen lassen).
Paradox ist, dass gerade also im Traum das Denken zur Realität wird, also als nicht selbstgemacht erlebt werden muss, eben als "erlebt", widerfahren, als Schicksal, als Film erlebt wird. Dies erscheint vielleicht paradox, weil man doch annehmen sollte, dass ich außerhalb des Traums, in Wachheit ein Denken zu besserer Vorstellung machen kann. Es stellt sich die Frage: warum werden Denkprozeduren und Resultate im Traum als äußeres Widerfahren erlebt? Meine Vermutung: es gibt Speicherareale des Hirns - vielleicht ausschließlich solche - die nur äußeres Erleben abspeichern können (wie etwa ein Hamster den Weg zurück ins Versteck in Panik lernt, als "beinahe" Zustoßendes, also einen Fuß nicht gewollt vor den anderen setztend, sondern "willkürlich": das Auge muss den eigenen Bewegungen folgen, ohne sie zu steuern), das heisst, etwas was gelernt wird, nämlich durch Neuvernetzung, durch Einordnen in andere Areale als "kenne ich", "ist ähnlich", muss in einem Traumvorgang als äußeres Erleben neu verpackt werden, wird also dadurch, dass es in einem neuen Zusammenhang "neu verpackt" erlebt wird, auch "begreifbar" und kann unter neuem, durch den erträumten seltsamen Zusammenhang (lerne Bombe zu lieben; auf einer Bombe läßt sich auch reiten, notfalls) in einem Areal gespeichert werden, das an und für sich nichts Ungewöhnliches abspeichern kann, sondern nur Ähnlichem zu Ähnlichem sortiert. Gerade - ganz im Sinne Freuds - so erscheint der Traum als Zwischenebene zwischen bewußtem Denken, das sich also durchaus durch Detailgenauigkeit auszeichnet, indem durch kleine Unähnlichkeiten trotz großer Ähnlichkeit im übrigen ein "Ungleich" gemacht werden kann und vice versa - erscheint also der Traum als Zwischenebene, wo evolutiv sehr fundamentale Denkvorgänge nur dann gespeichert werden könnnen, wenn sie als "Schicksal" im Traum zustoßen. Dieser Zustand des Traums als "Schlaf der Vernunft" kann von einem Erziehungsberechtigten - der den so Angesprochen sehr kennt - erzeugt werden, indem er etwa sagt: "Gleich machst du dir in die Hosen", wobei er einen festgetellten Denkvorgang wiederspiegelt. Beim insbesondere Schutzbefohlenen, der auf das Behandeltwerden durch die Säugetier-Mutter angewiesen ist, kann so ein durch innere Denkvorgänge enstandenes Denkresultat ("Mach ich mir jetzt ins Hemd? Muss ich?") als ein von außen Vorgegebenes "Geschickt-Sein" erscheinen - wie im Traum also das Etikett "War aber meine Idee" fehlen - und also das Kind darauf verzichten, die innerlich gestellte Frage per willentlicher Entscheidung - zu der wohl immer etwas Adernalin und Wagemut gehört, da eben nicht instinktiv fest Verdrahtetes verlangt ist - zu beantworten, sondern "es geschehen zu lassen": "deus lo vult". Die Herstellung einer traumwandlerischen "Sicherheit im Umgang" bzw. auch Lenkbarkeit wird mit dem Verzicht auf die Aufgabe "selbstverschuldeter Unmündigkeit" erkauft, wobei als sebstverschuldet hier fremdverschuldet bedeutet, und das Fremdverschulden nicht in der Verunmöglichung von Denken besteht, sondern darin, dass so getan wird, ein eigenes Umdenken sei nicht erforderlich, da das, wozu eine Denkspur angelegt ist, auch "Schicksal" sei, also insbesondere "zugegriffen" oder "losgelassen" werden müsse, es gehe nicht anders. Dadurch nämlich, dass die innere Stimme zu äußeren gemacht wird und zwar ohne das dies der "Diszipel" bzw. "Manipel" bemerkt bzw. bemerken kann. Cogito ergo sum kann also auch als Protest eines bewußt Denkenden gegen eine Vorwegnahme seines Denkens verstanden werden; in solchen Verhältnissen und unter solchen Umständen bedarf es expliziter Feststellung, dass "Gedanken frei" sind.
Umgekehrt könnte dies aber bedeuten, dass bestimmte - aus der Sicht des "kultivierten" Menschen als "niedrig" klassifizierte - Instinkte, d.h. Denkprozesse eines Minimums an Spiegelung bedürfen. Damit will ich das Hinterherschwimmen Konrad Lorenz' Enten erklären: woher soll das Entlein, das nur das Maul aufsperren brauchte, als geschlüpfter Vogel, das Wissen hernehmen, zu den richtigen Futtergründen zu paddeln? Es wird also in seinem evolutiv späteren Vermögen, zu Zielen hinzuschwimmen, also auch hinterherzuschwimmen, traumwandlerisch dadurch, dass eine Erziehungsperson oder auch -objekt/Attrappe ihm die von ihm bereits beherrschten Bewegungen vormacht, also die eigene Bewegung als nicht selbst gesteuert erleben läßt und so in bezug auf die Richtung der Schwimmbewegungen dem evolutiv früheren Denkprozess: "von da bekam ich immer Futter, einfach so" Platz macht. Das heißt, dass die Entlein - das wäre beweisend für meine Vermutung - beim ersten Nachschwimmen nicht auf äußere Feinde reagieren (wohl aber auf ihre Geschwister, weshalb die Reihung der Entlein der "friedlichen Hackordnung" des Nestes entspräche) und eine Selektion insbesondere über die Stärke des Paddelschlags erfolgt (der ungesteuert erfolgt und dessen Stärke von der Verarbeitung von Membranfetten abhängt oder aber voin der Fähigkeit, ... wird fortgesetzt). Aus dem Gesagten folgt auch, dass Konrad Lorenz in bestimmten Gesten, das Paddeln oder auch nur die Schwimmgeschwindigkeit der Entlein gespiegelt haben muss (dass ihnen "nichts anderes übrig blieb", "they couldn't but...", "they cannot help it") als zu folgen.
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Netlounge.com / Peter Bernhards Texte
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