Text zu einer Wiederaufforstung auf brackigem Kalkgestein in Kenia - heute der "Bamburi Nature Trail" bei Mombasa

Ich danke dem Verfasser Zvonko Springer für sein Einverständnis zur Übersetzung und Weiterveröffentlichung.

Der englische Text ist zu finden unter

http://www.cosy.sbg.ac.at/~zzspri/travels/BANweb/bantrail.html

Luftbild aus Nordwesten, der ausgebeutete Steinbruch (vorn)
und die Zementwerke, Mitte 1983.

 

Im August 1964 trat ich eine Stelle an als Leitender Hochbauingenieur in der
Bamburi Cement Co. Ltd. mit Sitz in Mombasa, Kenia. Das war zu einer Zeit, als
man mit wichtigen Werkserweiterungen schon begonnen hatte. Die Bamburi
Portland Zementwerke hatten technisch gesehen erstmals im Jahre 1954 zwei
Schachtöfen in Betrieb genommen, mit denen Zementklinker aus Korallenablagerungen
hergestellt werden konnten. Fast 22 Jahre lang war ich mit den sämtlichen
Baumaßnahmen dieses Werkes befasst, das mittels 6 Schachtöfen (der Firmen von Roll und Krupp) und 2 Drehöfen mit vorgeschalteten 4-Stufen Wärmetauschtürmen der Firma Humboldt-West eine installierte Produktionskapazität von insgesamt 1,250.000 Tonnen Zement pro Jahr erreichte, dies zurzeit meiner Pensionierung im Jahre 1987.

 

Die durch Casuarinas ermöglichte Entwicklung von Flora und Fauna.
Im Hintergrund die Zementwerke 1986.  

 

 

 
Das Zementwerk bezieht aus einem Steinbruch über 900 000 Tonnen fossilen
Korallen-Kalkstein pro Jahr, um aus ihm den Zementklinker zu brennen. Die
Aushubtiefe hängt zum einen vom Silizium-Gehalt des ausgegrabenen Materials ab, zum anderen vom Grundwasserspiegel unter der jeweiligen Teilfläche des Steinbruchs. Der Steinbruch besteht hauptsächlich aus sehr hartem, porösem fossilem Korallenstein, das neben Mineralien wie Silizium, Aluminium sowie Eisenoxide als dominierenden Anteil Kalziumkarbonat enthält. Die sich ständig ausdehnende Narbe in einer sonst schönen Küstenlandschaft bereitete dem Management der Gesellschaft zunehmend Sorgen, und man entschied, mit einem Experiment zu beginnen, das auf die Revitalisierung der gesamten Terrains abzielte, um so die hässlichen Narben möglichst schnell verschwinden zu lassen. Bei meinen regelmäßigen Besuchen des Werkes hat mich das Projekt der Wiederherstellung des Steinbruchs immer  interessiert, und ich hatte den Prozess seit seinem Beginn im Jahr 1971 mitverfolgt. Fast jedes Jahr besuchte ich den Bamburi Nature Trail und tat dies auch nach meiner Pensionierung, einige Male auch zusammen mit meiner Frau und meinen Enkeln. Ich möchte hier zunächst über einige technische Daten berichten, dann dem Leser einige wichtige Erläuterungen geben, was die Entwicklung der Natur in diesem Gebiet betrifft.

 

Foto: das tote Korallengestein ist poröser Kalkstein - der Hauptbestandteil des Zements.

 

Foto: Ein durch Grabung entstandener Teich
musste gedüngt werden, um das Wachstum
von Algen usw. anzuregen.

 

 

 

Geographie und Klima

 
Der Steinbruch liegt genau 4º südlich des Äquators bzw. 139º 44' östlich von Greenwich Meridian und liegt ungefähr 8 km nördlich von der Insel Mombasa; er erstreckt sich entlang der Nordwest-Seite der Straße von Mombasa nach Malindi, und befindet sich landeinwärts ungefähr 500 - 600 m von der Küste entfernt. Man hat bis auf die Tiefe von 10 m ausgegraben, das sind ungefähr 50 cm über dem durchschnittlichen Grundwasserspiegel (d.h. 20 cm über dem durchschnittlichen Meeresspiegel).
 
Das Gelände befindet sich in tropischem Klima, was bedeutet, dass es jeden Monat
regnen kann, wenn auch nicht muss, da 35 bis 77% des Regens in den Monaten April
bis Juni fallen. Die durchschnittliche Regenmenge beträgt ungefähr 1192 mm mit
Maxima über 2056 mm (1968 bzw. 1997) und einem Minimum von 561 mm (1898). Die
Zahl der Regentage variiert über einem Minimum von 94  bis 142 - ein katastrophal zu nennendes Regenjahr war 1997 (El Nino). Die mittlere Temperatur variiert kaum;
sie erreicht ihr Maximum im März mit 28,8ºC und fällt bis auf 24,7ºC im Juli und August. Die durchschnittliche relative Feuchtigkeit schwankt zwischen den Minimum von 69% - meist im Februar - und einem Maximum von 81% meist im Mai. Die maximale Luftfeuchtigkeit, die vor Sonnenaufgang gemessen wurde, beträgt 99% und das Minimum am Nachmittag 60%. In den Küstenregionen um Mombasa wehen zwei Monsun-Winde: der Südost-Monsun von Mai bis Anfang Oktober und der Nordost-Monsun von November bis März. Nachts weht meist eine leichte Brise.
 
Korallen, die oft "blühende Tiere" genannt werden, wohnen meist in großen Kolonien. Jedes einzelne Tier scheidet ein Skelett aus Calciumkarbonat aus, und ganze Kolonien bauen raffinierte, kompakte Konstruktionen, die sich über große Flächen erstrecken
können. Die Korallen können in Wasser, das eine Temperatur von unter 20 Grad
hat, nicht gedeihen, und sind zudem auf niedrige Wassertiefe angewiesen, um
wachsen zu können. Sie brauchen Sonnenlicht, das durch die Wasserschichten gefiltert
wird, und sich einst über das gesamte Gebiet erstreckten, auf dem man ungefähr 1,2 Millionen Tonnen Korallenkalkstein pro Jahr abbaut, um der Nachfrage zu nachzukommen.

 

Die erste Grube des Steinbruchs, die man auf die Tiefe von 9 m d.h. bis ca. 50 cm über das Brackgrundwasser ausgegraben hatte, hat eine Fläche von 2 Quadratkilometer, auf der zuvor so genannter sekundärer Busch wuchs. Der Grubengrund wurde zu unfruchtbarem Ödland verwandelt. Die Idee der Wiederbelebung des Steinbruchs bestand nun darin, aus der Fläche wieder eine attraktive Landschaft zu machen, schön und zugleich von Nutzen für die Menschen sein würde. Man ging davon aus, dass bestimmte Baumsorten auf dem kargen Boden gezogen werden konnten, da sich der Grundwasserspiegel 15 bis 20 cm unterhalb des Bodens befand. Die vertikale Bewegung des Grundwasserspiegels steht dabei mit den Gezeiten über eine 6stündige Verschiebung in Beziehung, was bedeutet, dass bei Flut an der Küste auf dem Grund des Steinbruchs Ebbe herrscht und umgekehrt. Die maximale Bewegung innerhalb von sechs Stunden beträgt 20 cm, mit einem maximalen Unterschied von 31 cm zwischen dem höchsten und dem tiefsten abgelesenen Stand.
 

Es war wichtig, auch diese vertikale Grundwasserbewegung festzustellen, da man vorhatte, Fischteiche zu schaffen, indem man den Grund der Grube noch tiefer aushub. Die Tiefe des Teichs hing vom Salzgehalt des Teiches ab, d.h. je tiefer die Grabungen desto höher der Salzgehalt. Die Süßwasserschicht, die dem Brack- Grundwasser auflag, war im Durchschnitt nur ca. 15 cm dick. Die Proben, die von verschiedenen Teichen in verschiedenen Tiefen genommen wurden, um den TDS zu messen (Total dissolved solid - Gesamtbetrag aufgelöster fester Partikel), ergaben zwischen 2600 ppm (part per million - Teilchen pro Million Teilchen) in der Trockensaison von Januar bis März und ein Minimum von 800 ppm in den Regenzeiten, die meist auf den Mai fielen. Die Wasserproben wurden wenig tief unterhalb des Bodens und auch einen Meter unter dem Boden entnommen, aus der Tiefe, aus der das Wasser in die Fischtanks gepumpt wurde und die abgelesenen Salzgehalte waren etwas geringer, nämlich zwischen 1800 und 200 ppm. Der pH-Wert des Wassers betrug ungefähr 7,4 bei Temperaturen des Grundwassers zwischen 24 und 32 Grad.
 
 

Was kann man mit dem Ödland anfangen?

René Haller sah, wie das hässliche Ödland jährlich um Tausende von Quadratmetern
wuchs, und war schockiert, dass auch in den ältesten Teilen des Steinbruchs es
keinerlei Pflanzen gelang, sich wieder anzusiedeln. Während zahlloser Stunden,
die er auf dem heißen und trockenen Grubengrund zubrachte, fand er nur ein paar
Farne. Vielleicht ein halbes Dutzend winziger Büsche und Gräser kämpften hier
darum, Wurzeln zu schlagen, im Schatten einiger zurückgelassener Gerölle. Es war
für Baumpflanzer keine sehr ermutigende Umgebung - doch eines Tages entdeckte
Haller in einer abgelegenen Gegend des Steinbruchs fünf kleine "Casuarina"-Bäume
und zwei Dattelpalmen.
 

 


Erste Anpflanzung von Casuarinas
  Casuarinas verschiedenen Alters, einige bereits samentragend.

Das erstmalige Anpflanzen von Casuarinas war ein Experiment und kostete unter der brennenden tropischen Sonne in der Kalksteinödnis dicht über dem Brackwasser erhebliche Anstrengungen. Der wichtigste Teil der Aufgabe war, Pionierpflanzen zu finden, die in der Kalksteinwüste überleben konnten, in der sich kein Humus, nur Brackwasser befand. Die Pflanzen mußten auch die unbarmherzige Tropensonne aushalten können, weshalb 26 unterschiedliche Spezies von Setzlingen gepflanzt wurden. Nur drei davon überlebten: die "Dame" Conocarpus lacifolius, ein salztoleranter Baum von der somalischen Küste; die "Kokospalme" Cocos nuciferc und die "flüsternde Kiefer" Casuarina equisetifolia, ein Baum, der aus Australien stammt. Casuarina ist eine Art Pioneerbaum, der daran angepasst ist, unter harten Bedingungen zu wachsen, und dessen Blätter zu winzigen Spitzen reduziert sind, die wie verwirbelte kleine Zweige um ein Equisetum herum angeordnet sind und einen guten Schutz gegen Verdunstung bieten. Die kleinen Zweige schauen wie Piniennadeln aus und haben eine dicke Außenhaut. Darüberhinaus tolerieren Casuarnias salzhaltiges Wasser, und die jungen Bäume machten so gute Fortschritte, dass es schien, als sei diese unwirtliche Umgebung ideal für sie.

Vor dem Beginn der Restitutionsarbeiten im Jahr 1971 wuchsen einige Farne im Schutt von Felsen, die man nicht zerhauen und abräumen hatte können. Auch Tamarixnilotica keimte, welche wahrscheinlich zusammen mit für die Produktion benötigtem Gypsum vom Tana-Fluss importiert wurde. Ungefähr 12 000 Baumsetzlinge wurden zwischen Januar 1971 und März 1975 auf einer Fläche von ungefähr 13 Hektar gepflanzt. Zwei Methoden wurden zur Vorbereitung der Pflanzung angewendet: 1) Löcher von 30 x 45 cm, die aus den Korallenfelsen gehauen wurden, wovon die meisten den Grundwasserspiegel oder zumindest feuchten Felsgrund erreichte. 2) Der Boden wurde von Planierraupen kreuz und quer aufgerissen und auf den so entstandenen Korallengraupel Gartenbaudünger gestreut.

Beide Methoden erzielten bei den Pflanzen gute Resultate. Die erste war teurer, doch konnten damit mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, da man "10-Pfennig"-Löcher auf Vertragsbasis graben ließ. Die Wurzelsysteme entwickelten sich viel schneller als mit der anderen Methode, und die Bäume hatten eine bessere Überlebenschance. Nach 10 Monaten beständigen Wachstums begannen die Casuarinas plötzlich gelb zu werden und krank auszuschauen. Die sorgfältige Untersuchung der Wurzelsysteme ihrer wild in Sanddünen wachsenden Vettern sollte eine Antwort auf dieses Problem bringen. In ihrem Nährwurzelsystem befanden sich kleine Knötchen, die wie Maulbeeren aussachen, und dichte Haarwurzelstrukturen, auf denen Mikroorganismen siedelten, die in Symbiose mit Casuarina wuchsen und zu deren Nahrungsaustausch beitrugen.

Eines dieser Mikroorganismen vermag den Stickstoff der Atmosphäre zu fixieren, welchen es eintauscht gegen Zucker, der im Photosyntheseprozess vom Baum erzeugt wird. Eine andere Gruppe von Organismen mobilisiert im Wasser unlösliches Phosphat, Kalium und andere Spurenelemente, die sie so für den Baum verfügbar macht.
Diese Beobachtungen führten dazu, daß man den Boden mit einem ausgewählten Cocktail von Wurzeln und Boden von gesunden, auf Sanddünen wachsenden Casuarinas impfte, um den kränkelnden Bäume, die auf dem unfruchtbaren Substrat des Steinbruchs wuchsen, zur Hilfe zu kommen. Nach mehreren Monaten änderten die Bäume ihre Farbe und begannen wieder zu wachsen.

 


Projekt Wiederaufforstung

Junge Baumsetzlinge kamen von den Forstämtern Gede und Jilore und wuchsen in schwarzen Polyethylen-Röhren mit 5 cm Durchmesser und 10 cm Höhe. Als sie ungefähr 2,3 m groß wurden sie an Ihren vorbestimmten Plätzen gepflanzt, und die Polyethylen-Töpfe bzw. -Röhren wurden entfernt. Aus ihren Samen wurden darüber hinaus in der eigenen Baumschule der Farm neue Setzlinge gewonnen. Die Setzlinge wurden mit unterschiedlichem Abstand, von 2,5 bis 4 m, gesetzt, wobei sich ein Abstand von 2,5 m als vielversprechend erwies, da er zu langen Stämmen mit bleibend kurzen Seitenästen führte, und sich so ein späteres Engerschneiden/Ausdünnen erübrigte. Es war erforderlich, während des Heranziehens der Sämlinge ein Fungizid einzusetzen, um einen Pilz zu bekämpfen. Der erfolgreichste Baum war "Conocarpus lancifollus", der in der Küstenebene von Somalia einheimisch ist und in den 50er Jahren an der Küste von Kenia eingeführt wurde. Er wächst gut in Brackwasser und wird ziemlich alt, taugt außerdem zur Herstellung von Holzkohle. Früher wurde er zum Bau arabischer "Daus" verwendet, also von Segelschiffen, und es scheint, als sei sein Holz auch resistent gegen Termiten. Bald wuchsen die größeren Conocarpus aus ihren "Startlöcher" heraus und drangen mit einem teppichähnlichen Wurzelsystem in den porösen Korallenstein ein, nur wenige Zentimeter unterhalb der Oberfläche, weiter hinunter in unberührtes Gestein. Die besten Bäume wuchsen in nur 3 Jahren bis auf 9 m Höhe heran und zu Stämmen mit einem Umfang von 65 cm über dem Boden.

Die Baumstämme finden als Masten, Pfeiler und Brennholz Verwendung.

Eine Monokultur-Anpflanzung vermeidend hat man verschiedene Bäume ausgesucht, wobei versucht wurde, eine maximale Verwendbarkeit zu erzielen, etwa als Bauholz,
Pfosten und Zaunpfählen bzw. später als Brennholz. Die beiden prominentesten
Bäume, die gepflanzt wurden sind Casuarias und Conocarpus, die damit begannen,
selber Samen zu produzieren; inmitten der nun schon jüngeren wachsen heute die
älteren. Ungefähr 25 verschiedene Baumarten wurden gepflanzt und sind bisher getestet worden, wie Eukalyptus, Neem und Algaroba, einige Pinus und Auracarias, der
einheimische Baobab-Baum, Kokos- und Dattelpalme, Bananen- und Mangobaum usw.

Einer davon ist der Neem-Baum "Azadirachta indica", der aus Indien stammt und
entlang der Küste von Kenia Verbreitung fand. Die Afrikaner von der Küste
schätzen die vielseitige Verwendbarkeit des Neem-Baumes und nannten ihn
"mwarobaini", was "Baum mit vierzig Verwendungsmöglichkeiten" bedeutet. Neem-
Bäume geben Schatten in Hülle und Fülle und werden als Bauholz verwendet. Der Baum hat auch in der Heilpraxis der Einheimischen vielseitige medizinische Verwendungsmöglichkeiten gefunden. Fieberkrankheiten wie Malaria können angeblich mit seinen Blättern und der Rinde geheilt werden. Blätter, Rinde und insbesondere Samen enthalten eine potente Substanz namens "azadirachtin", die Insekten abschreckt und in Indien weitläufig verwandt wird. Mit den Blättern des Neem lassen sich außerdem in Getreidesilos und -behältern erfolgreich Rüsselkäfer abschrecken. Die afrikanischen Frauen nehmen einige Neembaum-Produkte als Abtreibungsmittel, wie es heißt. Die Afrikaner verwenden bleistiftdicke Neem-Äste als Zahnbürsten, da die darin enthaltene Substanz Zahnfleischentzündung verhindere. Das aus den Neembaum-Samen extrahierte Öl wird zu Seife verarbeitet und findet als Arznei gegen Hautkrankheiten Einsatz.

 

 


Die Natur beachten und was daraus für unser Handeln folgt


René beobachtete sorfältig die Reaktionen der Natur und ergriff sofort die ihm erforderlich scheinenden Maßnahmen, um den Wiederaufforstungsprozess zu unterstützen. Casuarina und Conocarpus sind immergrüne Bäume, die konstant "Nadeln" und Blätter abwerfen und wieder neu wachsen lassen. So bedeckte die gefallene Belaubung den felsigen Grund mit beständigen Schritten.

Durch den hohen Gehalt an Tanninen in den "Nadeln" der Casuarinas brauchten die Mikroorganismen jedoch länger mit dem Abbau des Blätterwerks. Der Prozess, umschlossene Nährstoffe anderer Organismen aufzuschließen, wurde verlangsamt und die Etablierung nachfolgender Pflanzenarten wurde so verzögert. Ein glücklicher Umstand kam zu Hilfe, dass nämlich die rotfüßigen "Mombasa Trains" ("Mombasa-Züge", Epibolus pulchripes) glücklicherweise damit begannen, sich von trockenen Casuarina-Nadeln zu ernähren.

 

Foto: Tausendfußler (Millipedes)
 

Die Kompostbakterien in den Extrementen der Tausendfüßler wandelten die Nadeln in
den benötigten Humus um. Diese nützlichen Tiere wurden vom Küstenbusch
abgesammelt, und als sich die Tausendfüßler schnell in dem jungen Wald vermehrten, war dies ein Soforterfolg. Der Blattmüll wurde langsam weniger, und die Humusschicht darunter dicker. Die Tausendfüßler hatten das Land, in dem Milch und Honig fließen, gefunden; sie hatten den Waldboden für sich allein. Doch dauerte dieser glückliche Zustand nicht lange. Bald wurden sie ebenfalls Teil einer Nahrungskette, als weiß-schwarzen Mungos und Zivetkatzen in ihren Privatgarten eindrangen und damit begannen, die Tausendfüßler zu fressen.

Die schönen Millipedes mit ihren tiefschwarzen Körpern und orange-roten Beinen können eine Länge von 11 cm erreichen. Erwachsene Tiere haben bis zu 64 Körpersegmente mit je zwei Beinpaaren, was insgesamt nicht 1000 Füße ergibt, sondern "nur" 256. Die Tiere überwintern während der Trockensaison und verbergen sich im tiefen Blattabfall, um sich vor Hitze und Austrocknung zu schützen. Beim ersten
Anzeichen von Regen erscheinen sie wieder auf der Oberfläche und beginnen mit
der Fortpflanzung. Das mattschwarze Männchen trägt vor der Begattung ein sichtbar leuchtend schwarzes Geschlechtsteil und saugt sich am Rücken des Weibchens mit speziell entwickelten Haftscheiben fest. Das Weibchen rollt sich unter einer Schicht Nadeln zusammen, um Eier zu legen; die Eier legt es einzeln und bedeckt es mit "Faecesmateria", die von normalen Exkrementen durch ihre runde, flache Erscheinung unterschieden werden können. Erwachsene Tausendfüßler sind durch einen "chemischen" Selbstverteidigungsmechanismus gut vor Räubern geschützt, sie stoßen nämlich eine Säuresubstanz aus, die eine starke, schmerzvolle Reaktion auf den Schleimhäuten der meisten Tiere hervorruft, ausgenommen Mungos und Zivetkatzen. Die Tausendfüßler können ihr Gift bis 30 cm weit schleudern.
 


Das Ökosystem des Waldes - Pflanzen und Insekten (einige Beispiele)

Pilze erschienen nach nur ein paar Jahren in dunklen und feuchteren Ecken des Waldes. Zunächst gedieh nur eine einzige Art Pilz unter den jungen Bäumen, obwohl Sporen von vielen Arten eingeführt wurden, in der Hoffnung, dass einige essbare in dieser Umgebung wachsen würden. Mit der Einführung neuer Baumarten erschien plötzlich eine größere Vielfalt von Pilzen und Giftpilzen. Mit der diversifizierten Vegetation wurden die Pilzköper, die während der Regenzeiten auf dem Boden aufschossen, größer wie auch ihre Varietät in Form und Farbe. Zu Beginn 1991 wurden bereits 170 Arten zur Bestimmung gesammelt.   

 

Abbildung: der Fleischpilz "Choga Nyama"

 

Pilze wachsen nicht nur auf dem Waldboden sondern auch auf Ästen, Stämmen und sogar totem Holz. Sie und die giftigen Blätterpilze sind auch Gegenstand zahlreicher Märchen.

  

Die afrikanischen Arbeiter konnten sehr wenige der auch blühenden Pilze identifizieren, und ihnen waren von den im Steinbruchwald vorkommenden Arten nur zwei essbare bekannt. Einer von ihnen hieß "Choga Nyama" oder Fleischpilz und rieche wie gekochtes Fleisch. Die Arbeiter glaubten, ein Pilz sei nur dann essbar, wenn er mit einer Peitsche gehauen wurde, um die bösen Geister, die sich in ihm verstecken, zu
vertreiben, währen andere Pilze nur von den Angehörigen der Stämme des
Oberlandes gegessen werden könnten. Die Angehörigen der Küstenstämme würden ganz verrückt von den Pilzen, tanzten nackt herum und schlügen Leute, so ihr Glaube.
 
Termiten sind hauptsächlich Vegetarier. Diejenigen, die in totem Holz leben und sich davon ernähren, haben in ihren Eingeweiden mikroskopisch kleine Protisten, die die Holzzellulose abbauen, und so eine Verdauung ermöglichen. Die Hügelbauenden Termiten ernähren sich auch von verschiedenen Gemüsearten. Die Pilze sind wahrscheinlich für die meisten Termiten wichtig, und sind in verfaulendem Holz immer vorhanden. Einige Termiten kultivieren Pilze in großen unterirdischen Kammern, in ausgedehnten Pilzgärten, die auf schwammförmiger Zellulose angelegt werden und dort abgeerntet werden müssen, was ihnen bei der Verdauung von Zellulosematerial hilft. Zu Beginn der Regenzeit machen die Termiten einen Frühjahrsputz ihrer Pilzgärten, indem sie einen Teil der Pilze zur Oberfläche ihrer Termitenhügel tragen, um sie dort zur Fortpflanzung heranwachsen zu lassen. Zu diesen Zeiten sind die Termitenhügel mit Tausenden kleiner weißer Pilze bedeckt.
Termiten werden allgemein als eine Pest betrachtet, weil sie sich von weichem Holz ernähren, das für Bauwerke und Möbel verwendet wird. Im Ökosystem des Steinbruchs spielen sie eine wichtige Rolle, weil sie fast jegliche Art toter Vegetation fressen, insbesondere totes Holz, wobei sie es unter den Grund bringen und es so den Mikroorganismen im Boden zur Verfügung stellen. Die Aufgabe der Termiten ist vergleichbar mit der der Tausendfüßler, doch haben sie diesen gegenüber einen wichtigen Vorteil: sie durchmischen das Bodensubstrat nämlich auch. Die großen Termitenhügel, die aus Erdreich gebaut sind, sind gut bekannt, und wohl auch, dass sich die Termiten auch auf der Oberfläche bewegen und dort nach Essbarem zu suchen, doch tun sie dies unter einer Art Arkaden, welche sie aus Material aufbauen, das sie tieferen Bodenschichten entnehmen.
 
Die Termitenpopulation im Wiederaufgeforsteten Teil des Steinbruchs ist nicht außer Kontrolle geraten, da sie von natürlichen Feinden in Schach gehalten wurde, wozu als wichtigste eine Spezies Ameisen zählt, die Termitenarbeiterinnen jagt und sich von Ihnen ernährt, wobei sie in deren Nester eindringt. Auch andere Tiere ernähren sich von Termiten, wie Eidechsen, Perlhühner und auch andere Vögel. Wenn beflügelte Männchen und Weibchen der Termiten aus ihren Hügeln ausschwärmen, wird jede
Insektenverzehrende Spezies zu ihrem Feind. Jedoch werden die Termitenfresser
von Mungos und Zivetkatzen und auch von Raubvögeln unter Kontrolle gehalten.
 

 

Die Weber- oder auch "Maji Moto"-Ameisen sind sehr aggressiv und fürgen schmerzhafte Bisse zu wenn sie gestört oder angegriffen werden.

 

Der Autor hält eine ca. 2,5 m lange junge Python, die schmerzhafte Bisse zufügt, wenn Sie gestört oder angegriffen wird. Foto aufgenommen in dem 1987 eröffneten Terrarium des Trails.

 

 

Ameisen spielen eine wesentliche Rolle in jedem Wald-Ökosystem, doch bisher ist noch wenig über ihr Privatleben und ihre Funktionen bekannt. Manchmal kann auf allen Bäumen eine große Zahl kleiner schwarzer Ameisen beobachtet werden, und dann scheinen sie wiederum zu verschwinden, während plötzlich eine andere Ameisenart erscheint. Wenig ist über ihre Ernährungsgewohnheiten bekannt, bzw. darüber, wo sie ihre Nester bauen. Einige der Ameisenspezies ernähren sich von Ausscheidungen von Blattläusen und auch größerer Insekten. Sie scheinen die Insekten zu melken, indem sie sie mit ihren Kiefern reiben, bis sie einen Tropfen nektarähnlicher Substanz ausscheiden. Man konnte nicht feststellen, ob Ameisen ihre eigenen Kühe mit sich tragen, doch es schaut so aus, dass sie sie verteidigen.
 
Die Weber- oder "Maji Moto"-Ameisen, wie sie von der örtlichen Bevölkerung genannt werden, bauen ihre Nester, indem sie Blätter "zusammenweben." Sie verteidigen auch ihre Wirtsbäume, indem sie Invasoren, sei es Mensch oder Tier, schmerzhafte Bisse zufügen, was eine Empfindung wie Verbrennen durch "heißes Wasser" hervorruft, was den Namen in Kiswahili erklärt. Die Weber-Ameisen wurden vor einigen Jahren in die Fruchtbaum-Plantage des Steinbruchs eingeführt, um die Population der Mehlkäfer und Silberfischchen zu kontrollieren. Einige kleinere Ameisen, die ungefähr ein Viertel der Weber-Ameisen groß sind, verteidigen und schützen ihre Blattläuse mit ihrem sehr wirkungsvollen Gift, wenn diese ihre Kolonie angreifen.

 

 

 

Tilapia in einem Fischbecken

 


Das Wassersystem und die Fischteiche

Die Teiche wurden mit Planierraupen ausgegraben und haben unterschiedliche Größe und Tiefe bei Oberflächen von 100 bis 8000 m bzw. Wasserkapazitäten von 50 bis 5800 m. Man brauchte eine ganze Zeit, um auch nur Algen in dem fast sterilen Grundwasser anzusiedeln. Büsche wurden entlang der Ränder ursprünglich zu dekorativen Zwecken gepflanzt, so aber auch Vögeln Unterschlupf geboten. Guppies und Black Mollies wurden eingeführt, um die Moskito-Larven zu kontrollieren und um herauszufinden, ob Süßwasser-Fische die spezifischen Wasserbedingungen aushielten, in denen sie hier leben sollten. Mit der Elodea-Alge aus einem Aquarium kamen ein paar Biomphalaria-Wasserschnecken, die ein potentieller Wirt für Bilharziose sind. Die Teiche wurden mit Phosphat und Stickstoff und etwas Mist gedüngt, um das Wachstum der Algen zu fördern. Zuerst wurde der einheimische "Tilapia" im Juni 1971 in den Teich ausgesetzt, wo er überlebte und sich in den Steinbruch-Teichen erfolgreich vermehrte. Später wurden verschiedene Tilapia-Spezies eingeführt, doch vermehrten diese sich in ungeordnetem Maße, wie auch alle anderen Spezies, das in den jungfräulichen Teichen ausgesetzt wurden. Eine Fischspezi vom Naivasha-See, "Black Bass" genannt, schaffte es
nicht, die Tilapia-Bevölkerungsexplosion zu kontrollieren.

Nach 6 Monaten verklebten Elodea-Algen die Teiche, und Biomphalaira-Schnecken vermehrten sich zu Millionen. Der Tangfressende Fisch Tilapia Zilli erledigte seine Arbeit erfolgreich, indem er die Elodea-Algen komplett gefressen hat, wo immer er auch ausgesetzt wurde, und die Biomphalaria-Schnecken wurden von kleineren
Schnecken, Oncomelania genannt, aufgefressen. Nach einem Jahr hatte man die Idee aufgegeben, Tilapia-Fisch zu verkaufen, um das Wiederaufforstungsprojekt zu finanzieren. Ein anderes Mal, als der Boden des Steinbruchs im Mai 1972 überflutet wurde, hat man die Teiche mit einer eingeschlechtlichen Fischkultur von sorgfältig ausgewählten Tilapia-Männchen besetzt. Der Fischbrutkampf an den Teichen ging weiter, und ziemlich viel Erfahrung ist seitdem gewonnen worden. Heute findet man überall an der Küste von Mombasa "Tilapia Bamburi" auf den Menüs der Restaurants.
 

Blick auf das Paradies, Foto von der Titelseite des Referenz-Buchs


René verbrachte viel seiner Zeit im afrikanischen Busch, wo er alten Weisen Männern zuhörte, und so erfuhr, dass der Fisch allmählich ausstirbt, wenn Nilpferde ausgerottet würden, und zuletzt die Wasserlöcher austrockneten. Nilpferde grasen vor allem nachts, und wenn sie ins Wasser zurückkehren, entleeren sie ihren Urin und ihre Ausscheidungen. und mit ihren muskulösen Schwänzen verteilen sie diese Substanzen im Wasser. So ersetzen sie Nährstoffe und düngen das Wasser, so dass Plankton darin wachsen kann, das ein essentielles Nahrungsmittel für die Fische ist. Die schwimmenden Nilpferde, die im Wasser herumgehen und dort spielen hält den Teichgrund in Bewegung und verhindert so die Bildung von toxischen Gasen. Die ständige Aktivität hilft auch, das Wasser zu lüften, was gut für den Fisch ist. Deshalb brauchte man zur Düngung des neuen großen Teichs dringend Nilpferde, als einer der wichtigsten Glieder des Seesystems.

 

 

 

 

Die Rothschild-Giraffee teilt mit den Nilpferden den Weidegrund, und das
Nilpferd ist hier in seinem Element - der größte Teich des Steinbruches.

 
Renés Freund Alan und Joan Roote zogen in ihrem Heim am Naivasha-See ein Nilpferdweibchen auf namens "Sally". Sally wuchs zu stattlicher Größe heran und kam wegen ihres zunehmenden Appetits unvermeidlich in Schwierigkeiten, als sie diesen während langer nächtlicher Spaziergänge befriedigte, wobei sie auch die Gemüsegärten der Nachbarn geplündert hatte. Nachdem Sally einen Kleinwagen verwüstet hatte, der an ihrem Lieblings-Rastplatz geparkt war, entschieden ihre "Pflegeeltern" sich von ihrem "adoptierten" Nilpferd zu verabschieden, indem sie es 1976 in den "Bamburi Nature Park" brachten. Sally brauchte ihre Zeit, um sich gut in die Umgebung einzufügen. Hier angelangt, war gar nicht so erfreut über die "Nuckel-Session" bei einer Gallone Ziegenmilch, die jeden Tag um 17 Uhr stattfand. Diese Fütterungszeit wird auch heute eingehalten, und Parkbesucher werden ausdrücklich darauf hingewiesen, pünktlich zu sein. Doch bekommen Sally und ihr Kumpan Potty inzwischen auch einige andere Leckerbissen.

 

Sally und Potty sind die Hauptattraktion für Besucher des BAMBURI NATURE TRAIL.
 

Das Männchen namens "Potty" hatte eine sehr viel schwierige Jugend, da es von einem deutschen Wanderzoo in Beschlag genommen worden war. Potty hatte nie Zugang zu Wasser, und seine Haut war trocken und zeigte auch Risse, und seine Ohren waren im unfreundlichen europäischen Klima fast abgefroren. Potty war ein erbärmlicher Anblick, und kein Zoo wollte ihn annehmen, als die Organisation für die Schutz der Tiere "Pro Fauna" zu seiner Rettung eilte. Die "German Cargo" arrangierte seinen Transport per Luftfracht nach Nairobi, von wo aus Potty mit einem entsprechenden Lastwagen zum "Bamburi Nature Park" verbracht wurde.
 
Dort wartete ein neuer und umzäunter Teich auf das Nilpferd, was für den unglücklichen und geplagten Potty ein sehr willkommener Anblick gewesen sein muss. Potty amüsierte sich tagsüber im Wasser, und wochenlang konnte man nur seine Nasenlöcher, Ohren und Augen aus dem Wasser herausragen sehen. Nachts verließ er den Teich, um an den Rändern zu grasen und so auch die neue Umgebung zu erkunden. Auf einer seiner nächtlichen Ausflüge entdeckte Potty Sally, die ihrerseits ihn auf den ersten Blick mochte. Es war eine willkommene Überraschung, dass Sally ein für ein weibliches Nilpferd ungewöhnliches Terrytorverhalten zeigte, denn wie ein Dampfschiff hatte sie in ihrem Neugeschaffenen Tierreich bislang alle Neuankömmlinge verfolgte. Die Freundschaft zwischen "Potty" und "Sally" wurde schnell enger, und sie sind nun ein unzertrennliches Paar, wie jeder während der nachmittäglichen Fütterungszeit um 17 Uhr Tag für Tag beobachten kann.

 

Nützliche lebende Müllschlucker - Die Krokodile

Krokodile sind nützlich für das Seesystem, da sie Schlachtabfälle, die für die menschliche Ernährung ungeeignet sind, vertilgen. Der Abfall von den Fischfarmen und auch der "Baobab Farm" wurde als Futter für die Kokodile und für die Schafe, Ziegen, Rinder und Hühner gesammelt. Die Krokodile verwandeln den ganzen Abfall - da sie als kaltblütige Tiere wenig Energie für die Regulierung ihrer Körpertemperatur brauchen - in wertvollen Rostoff um wie Krokodilhaut und Essen für menschlichen Verzehr. Sie können in einem Restaurant exzellentes Krokodil-Steak probieren, in der natürlichen Umgebung des Tiergartens - direkt neben dem Fischteich mit freilebenden Krokodilen, da darin herumschwimmen.

 

Krokodile in ihrem Verschlag, regungslos sonnenbadend   

 

Ein Junges durchbricht die Eischale

Das ersten Crocodylus Niloticus (Nilkrokodil) kamen 1975 vom Lake Turkana, Lake Baringo und dem Tana-Fluß als Eier und Junge in den "Bamburi Steinbruch. Einige Weibchen legen seit 1986 regelmäßig Eier, und einige Krokodile hatten 1994 die beträchtliche Größe von über 3,5 m erreicht. Im Dezember jeden Jahres sammelt man zwischen 25 und 40 Eier von jedem Weibchen ein, die danach künstlich ausgebrütet werden. Die neuen Weibchengenerationen nehmen an Größe und Alter zu, die Eier ebenso und auch die Überlebensrate der Neugeschlüpften. Unter optimalen Bedingungen können Krokodile bis zu 3 Millimter pro Tag wachsen, doch unter der im Steinbruch herrschenden Bedingungen betrug ihr Wachstum nur 1 bis 1,5 Milimeters pro Tag. Die Temperaturen dort sind oft unter dem Idealpunkt, und die Krodkodile sind auch irgendwie doch gestresst oder gestört durch die Parkbesucher. Trotzdem erreichen sie unter den kontrollierten Bedingungen der heutigen "Krokodilfarm" die bemerkenswerte Größe von 150 Zentimetern in wohl 21/2 bis 3 Jahren.

 

Die Verbreitung von Vegetation durch in der Wildnis äsende Oryx-Antilopen

Die in den Außenbereichen gehalten Antilpe Oryx callotis lebt in dichten, dornigen und trochenen Buschgebieten; es sind ziemlich scheue und vorsichtige Antilopen, die beim ersten Anschein von Störung oder Gefahr das Weite suchen. Die Ohrenspitze ist mit schwarzen Haaren besetzt, und das Geweih ist deutlich zu erkennen. Die Weibchen haben schlanke Hörner, die größer (nämlich bis zu 110 cm) werden als die massiveren Hörner der Männchen. Diese Hörner sind wirksame Waffen gegen Räuber und verursachen bei Rangkämpfen der Männchen oft tödliche Verletzungen. Die Oryx-Männchen und die Weibchen leben mit ihren Nachkommen friedlich in Herden zusammen, und ihre Sozialstruktur vereinfacht eine Domestifizierung und Herdenhaltung. Die Oryx sind gut an extreme Wüstenbedingungen angepasst, durch effizientes Wassersparen und geringes Trinkbedürfnis. Das dichte Haarfell dient als effizientes Hitzeschild und die helle Färbung eignet sich besser als die dunkle Färbung von Tieren wie Büffeln, die Hitze zu reflektieren. Oryx reduziert den Hitzestress in extrem heißen und trockenen Habitaten, indem sie es zuläßt, dass sich ihre Körpertemperatur um einige Grad erhöht, was den Wasserverlust durch Schwitzen, welches auch der Kühlung des Körpers dient, reduziert.

Auch wird der Blutstrom zum Hirn in der Nasenregion gekühlt, um einen Schäden im Hirn zu vermeiden. Die Exkremente sind hart und trocken und der Urin hoch konzentriert, um Wasser zu sparen. Die Milch für die Kälber ist ebenfallls hoch konzentriert und nahrhaft. Diese anatomischen und physiologischen Anpassungen erfordern selektives Weiden im frühen Morgentau auf nassen Grasgebieten; auch scharren die Antilopen Knollen und Wurzeln aus, die in sehr trockenen Gebieten viel Feuchtigkeit speichern - so dass sie fast unabhängig von regulären Wasserlöchern sind. Das Sozialstruktur und die Anpassung an harte Umweltbediungen mit hoch effizienter Umwandlung von grobem Gras bzw. von Gras geringer Qualität, machen die Oryx-Antilope zu einer vielversprecheden Spezies, was eine Domestifizierung anbelangt. Die alten Ägypter hielten große Herden domestifizierter Oryx-Antilopen, auch wegen der hohen Fleischqualität.

Eland and Oryx suchen unter einem gigantischen "Baobab-Baum" nach Nahrung.

 

Antilopen in den wiederaufgeforsteten Steinbrüchen

Einige Helfer von der "Baobab Farm" beweideten ein von der Gesellschaft gepachtetes Stück Buschland mit Eland (Taurotragus Oryx)- und Oryx-Antilopen erfolgreich. Die Antilopen weideten tagsüber dort, am Abend wurden die Herden jedoch in die s. g. "Nachtunterkünfte" gebracht, wo sie viel Futter vorfanden, für den Fall, dass sie noch hungrig waren. Die Weidegründe der Antilopen wurden mehr und mehr von den Baggermaschinen reduziert. Im Jahr 1987 wurde es erforderlich, die Wildherden, die man hierher verbracht hatte, in die schon erschöpften Gebiete des Steinbruchs zu verbringen, wo schon Gräser und Kräuter in großer Vielfalt wuchsen, doch blieb ihre "Night Boma" im alten Buschbezirk. Der Fortschritt der Wiederaufforstung hing nun ganz vom Geschick der Wildhüter ab, die Tiere dahin zu bringen, über einen speziell ersonnenen "Game Crush" (Wildpfad) von einem Bezirk in den anderen zu wechseln, wobei sie eine "Weigh Bridge" (Wiegebrücke) benutzen sollten, die erlaubte, ihr Wachstum zu messen. Während sie ihre Lieblingsfressecke suchen, verbreiten diese Tiere über ihre Extremente in den übrigen Teilen des Steinbruchs und verbreiten so Pflanzen vom Busch hin zum Grasland und in den Wald.

 

 

Eland-Antilopen friedlich an einer Futterkrippe während der Trockenzeit.

 

Ein Hüter treibt Orys zu einem Futterareal..

 

 

Eine Landschaft aus Wald, Grasland und Teichen, mit einer lebendigen Vielfalt, wo einst lebloses Ödland war.

Liebe Leser - wenn Sie Kenias Küste in der Nähe Mombasas besuchen, müssen Sie nicht weit gehen, um die Wildnis in natürlicher Umgebung zu erleben. Naturschützer überall auf der Erde kennen den Bamburi Nature Trail im ehemaligen Werkssteinbruch als ein lebendes Experiment von Ödlandwiederaufforstung. Im Jahr 1987 verlieh die UNEP den Preis "Global 500 Roll of Honor for Environmental Achievement" in Anerkennung der Anstrengungen und bisher erzielten Ergebnisse. Es handelt sich um ein Mikrokosmos, der so alt ist wie der Kontinent - alte Schönheit, wo Flora und Fauna in großer Zufriedenheit zusammenleben. Gehen Sie hin und schauen sie selbst! Versäumen Sie nicht, einige der Spezialitäten auf dem Speisezettel des Restaurants dort zu versuchen, wie Steak vom Krokodil, Antilopen- oder Straußenfleisch und Bamburi Tilapia etc. Haben Sie eine schöne Zeit und guten Appetit!

 

 

 

Literatur- und Bildquellennachweis:

1. REHABILITATION OF A LIMESTONE QUARRY - Report of an environmental experiment, René D. Haller, Mombasa - Kenya , Juli 1974. 2. FROM WASTELAND TO PARADISE von René HALLER und Sabine BAER; Copyright 1994 by R. D. Haller; Herausgeber: Hans H. Koschany - Germany, 1st edition 1995. Text und Abbildungen wurden mit Dr.phil.hc. René D. Hallers persönlicher Erlaubnis verwendet.

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Einige weiterführende Links zum Thema Bamburi Nature Trail - Haller Park - Kenia - Wiederaufforstung

 

 

 

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