Thema Grenzwerte
Wie die Bodensee-Wasserversorgung bekanntgab, hätte ein Verbrauch 4000 Liter, also 4 Kubikmeter Wasser trinken müssen, um den zulässigen Grenzwert zu erreichen. Der Grenzwert für Milch ist auf 0,1 Mikrogramm pro Liter festgesetzt. Daraus ergibt sich folgende "Kopfrechnung": Wenn pro Tag ein Liter Milch "getrunken werden darf" ist der 4000ste Teil des Grenzwerts, also 100 Mikrogramm geteilt durch 4000 ist gleich 25 Nanogramm festgestellt worden pro Liter Bodenseewasser. Die Aussage, man hätte 4000 Liter trinken müssen, ist also solche nur "überschlägig" zu verstehen, nämlich wohl dahin, dass von einem Liter Wasserkonsum pro Tag ausgegangen wird (?) und der zulässige Grenzwert für einen Liter Wasser (der für Wasser eventuell aber niedriger liegen könnte, da - angenommen - mehr Wasser als Milch getrunken wird) - und nur der 4000ste Teil der zulässigen Menge erreicht wurde. Selbst wenn man annähme, es sei nicht der zulässige Grenzwert pro Tag, sondern pro Jahr (!) gemeint gewesen, wäre der Grenzwert nur zu einem Zehntel erreicht worden.
Verbotene Spritzmittel: Der Fall "Bodenseewasser" wirft Fragen auf:
- Verbote von Pestiziden werden wohl oft dann schon ausgesprochen, wenn eine Substanz nur langsam abgebaut werden kann und bestimmte Grenzwerte für Rückstände überschritten werden - nur indirekt spielt dabei der Grad der Gefährlichkeit der Substandz für Mensch und Tier eine Rolle.
- oft sind Wirkungsweisen von Pflanzenschutzmitteln gar nicht bekannt oder werden erst nach erfolgter Freigabe der Substanz wissenschaftlich untersucht - es kommt zunächst "nur" darauf an, ob Versuche an Tieren eine Gefahr für die Gesundheit von Lebewesen ergaben oder nicht.
- auch Arzneimittel werden nach dem Prinzip Trial und Error "erfunden": es wird mit zahllosen neu erzeugter Substanzen experimentiert und jede einzelne (von Tausenden) auf Wirksamkeit gegen Krankheit bzw. gegen Schädlingsbefall und andererseits Schädlichkeit für Mensch und Tier untersucht. Eine "erfundene" neue Substanz kommt für die Anwendung nicht in Frage, wenn Sie erstens keinen Nutzen bringt (also nicht schädlich für die Schädlinge ist) und zweitens sie sich als schädlich erweist für Mensch oder Tier (oder der angebauten, zu "schützenden" Nutzpflanze.
Atrazin habe eine ähnliche Wirkung wie Östrogen, sei jedoch nicht hochgiftig.
Atrazin-Belastung des Bodensee-Trinkwassers
Das Trinkwasser aus dem Bodensee wird regelmäßig auch auf die Belastung mit Pestiziden untersucht.
Ein Beispiel sind die Meßergebnisse für die Stadt Maulbronn
In einem Test in den Vorjahren wurde auch auf Atrazin getestest; die enstprechende Datei ist im Internet nicht mehr vollständig abrufbar. Grenzwerte wurden aber zu keiner Zeit überschritten.
Das gegen Keime bei der Wasseraufbereitung eingesetzte Ozon könne auch Pflanzenschutzmittel zerstören.
Der gesetzliche Grenzwert für Atrazin liegt bei 0,1 Mikrogramm pro Liter.
4 Millionen Menschen in Baden-Württemberg werden von den Überlinger Werken versort.
Proteste in den USA - Verbot gefordert
http://www.panna.org/resources/panups/panup_19991005.dv.htmltraz
Atrazine - so im Englischen - ist ein Herbizid. In USA berichtet die EWG, eine Umweltschutzorganisation-, dass Atrazine das Trinkwasser in 800 Gemeinden des Mittleren Westens in den USA vergifte. Die EPA Environmental Protection Agendy - das ist die US-amerikanische Umweltbehörde - habe die Gefahr für Kleinkinder , die Trinkwasser tränken, unterschätzt.
Atrazine - so der Bericht -sei das meistverwendete Herbizid in den USA und werde auf 50 Millionen Hektar Getreide angewandt, und gerate auch ins Trinkwasser. Viele Wasserwerke in größeren Städten hätten Kohlefilter installiert, womit die Belastung reduziert, jedoch nicht völlig eliminiert werden könne. Kleineren Gemeinden fehlten oft solche raffinierteren Filtersysteme.
Die EWG hat nach eigenen Angaben 127 000 Trinkwasser-Tests, die in den Jahren 93 bis 1998 offenbar von den Behörden vorgenommen wurden, analysiert. Als Spitzen für die tägliche Belastung seien 42 ppb parts per billion (Teilchen pro Milliarde Teilchen) gemessen wurden, was das 14fache des in den USA gesetzlich erlaubten (Jahres-.)durchschnitts sei.
Laut EWG habe die EPA sich nicht an den Food Quality Protection Act (FQPA) von 1996 gehalten, der Pastizidbelastungen soweit verbiete, als sie Kinder und Babys gefährden. Bis 3. August 1999 hätten die Grenzwerte für Atrazine revidiert werden müssen. Nicht berücksichtigt habe die Behörde, dass Kleinkinder im Verhältnis zu ihrem Körpergwicht mehr Wasser zu sich nähmen als Erwachsene. Ein Erwachsener müsste dreieinhalb Gallons Wasser pro Tag trinken, wolle er den am Körpergewicht gemessenen Konsum eines Babys erreichen. Ein Kleinkind, das grenzwertüberschreitendes Wasser trinke, erreiche die gesetzlich zugelassene Belastung bereits mit 5 Jahren, nicht erst mit Lebensende. Wenn der Hersteller von Atrazin die Trnkwasserwerke nicht mit entsprechenden Filtern ausstatte, solle EPA das Mittel vollständig verbieten.EWG ist das Kürzel für Environmental Working Group. http://www.ewg.org
http://www.genome.ad.jp/dbget-bin/show_pathway?map00791+C06551
Informationen in englischer Sprache über den Metabilismus, die Abbauwege von AtrazinName und Formel, Eigenschaften, Daten
http://www.apvma.gov.au/chemrev/atchem.shtmlChemische Facahbezeichnungen für Atrazin:
IUPAC: 2 chloro-4-ethylamino-6-isopropylamino-1,3,5-triazine
Chem. Abs: 2-chloro-N-ethyl-N'-(1-methylethyl)-1,3,5-triazin-4,6-diamine
CAS no: 1912-24-9
Atrazin
Im "Mittelpunkt" der versuchten Trinkwasservergiftung im November 2005 steht die Chemikalie Atrazin. Dieser Wirkstoff ist ein Herbizid, wird vor allem im Maisanbau gegen Unkaut eingesetzt, seit den 50er-Jahren - zählt also zu den "historisch" ältesten Wirkstoffen.
In den 80er Jahren geriet die Substanz in die Schlagzeilen, als es bei einem Fabrikunfall bei Basel zu einem Fischsterben kam, als Atrazin in den Rhein geriet: er war in Abwässern enthalten, die von der Firma Ciba-Geigy in den Rhein geleitet wurden. Zeitgleich war auch in der ebenfalls in Basel niedegelassenen Firma Sandoz ein Unfall geschehen, was zur zusätzlichen Belastung des Wassers führte. Angeblich gerietn 100 Liter Atrazin in den Rhein.
1991 wurde der Wirkstoff in Deutschland, später auch in Österreich verboten - wohl deshalb, weil er in höheren als üblichen Mengen im Trinkwasser nachzuweisen war, also als nur langsam abbaubar gelten mußte. Auch heute noch, 10 Jahre nach dem Verbot, wird in Trinkwasser dieser Wirkstoff in Spuren nachgewiesen. In Frankreich wurde Atrazin ca. 2004 verboten.
Tatsächlich gibt es in den USA aktuelle Proteste gegen das Vorkommen von Atrazin im Trinkwasser - in den USA bliebt der Wirkstoff erlaubt, sein Verbot wird gefordert.
Dabei ist offenbar nicht die Gefährlichkeit des Stoffes als solche das ausschlaggebende Argument, sondern die Tatsache, dass es sich um eine Substanz handelt, die nur langsam abgebaut wird - beispielsweise durch Mikroorganismen im Boden, im Wasser oder durch Sonneneinstrahlung an der Luft oder auch durch eigene "Entgiftungsmaßnahmen" der Pflanzen, die mit dem Wirkstoff besprüht werden und diesen meist auch absorbieren.
Der Wirkstoff kann ins Grundwasser gelangen und wird dort bei chemischen Tests als vorhanden festgestellt. Über die größerer oder geringereGefährlichkeit von Atrazin gegenüber anderen Chemikalien ist damit nichts ausgesagt - wenn auch "logischerweise" die grenzwerte für bekannt gefährliche Stoffe niedriger angesetzt sein dürften als für als harmloser eingestufte Substanzen. Es ist mir nicht bekannt, ob die Grenzwert in parts per million für Atrazin niedriger liegen als fr andere Pestizide oder Gifte.
Wird fortgesetzt:
Wirkungsweise: Atrazin gilt als Photosynthesehemmer - festgestellt wurde aber insbesondere auch ein Block der Synthese von langen Fettsäuren, die die Pflanzen für ihr Wachstum benötigen.
Atrazin blockiert ein Schlüsselenzym, das in Unkräutern für die Produktion schützender "Sonnencreme", vonWachsen sorgt, die die Pflanzen in ihre Zellmembrane einlagern.